Behandlungsmöglichkeiten für Blasenprobleme

Porträtfoto von Marianne, die aufgrund ihrer MS mit Blasenproblemen lebt. Marianne verwendet Katheter, um ihre Symptome besser zu behandeln.
Marianne | Leben mit MS

Sie können Hilfe bei der Behandlung von durch MS verursachten Blasenproblemen erhalten

Wenn Ihre Blasengesundheit durch MS beeinträchtigt ist, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, wie Sie versuchen können, die Kontrolle über Ihre Blase zurückzugewinnen. Änderungen Ihres Lebensstils, wie z. B. Ernährungsumstellungen oder grundlegende Blasentrainingsübungen, können Ihrer Blasengesundheit helfen. Es gibt auch andere Lösungen zur Blasenkontrolle, die Sie aber vor der Anwendung mit Ihrem Arzt besprechen sollten.   

Dieser Artikel bietet einen Überblick über die verschiedenen Behandlungen für unterschiedliche Blasensymptome, damit Sie bestmöglich informiert sind, wenn Sie die ersten Schritte zur besseren Bewältigung Ihrer Blasensymptome unternehmen.

Mögliche Hilfestellungen

Erste Behandlungen für eine überaktive Blase können z.B. Beckenbodentraining,1 Änderungen der Art und des Zeitpunkts Ihrer Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie einige medikamentöse Behandlungen umfassen. Wenn Sie vermuten, dass Sie ein Blasenproblem haben, sollten Sie Ihren Arzt konsultieren. Er wird mit Ihnen besprechen, welche Art von Behandlung(en) Sie durchführen sollten, da diese je nach Ihrer individuellen Situation und Ihren Blasensymptomen variieren können. Erfahren Sie unten mehr über erste Behandlungen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei Blasensymptomen

Wenn die zuvor beschriebenen Maßnahmen Ihre Beschwerden nicht ausreichend verbessern, kann Ihr Arzt weitere Behandlungsmöglichkeiten empfehlen.

Blasentraining für eine bessere Blasenkontrolle

Beim Blasentraining handelt es sich um eine verhaltenstherapeutische Methode, die Ihnen helfen kann, Ihre Blasenkontrolle zu verbessern. Mit der Zeit kann ein strukturiertes Blasentraining dazu beitragen, längere Intervalle zwischen Toilettengängen zu erreichen, die Blase besser zu füllen und mehr Kontrolle über den Harndrang zu entwickeln. Dadurch können Notfallsituationen und unbeabsichtigter Urinverlust reduziert werden.1
Beckenbodentraining

Der Beckenboden trägt und stabilisiert die Bauchorgane, sichert die Kontinenz für Urin und Stuhl, ist wichtig für die Sexualfunktion und unterstützt die Rumpfstabilität. Er muss bei Druckerhöhung (Husten / Heben) reflektorisch gegenhalten sich aber für die Blasen - und Darmentleerung gezielt öffnen und entspannen können.Beckenbodentraining kann sowohl Männern als auch Frauen helfen.1 Übungen stärken die Beckenbodenmuskulatur oder helfen ihr sich zu entspannen. Für ein gezieltes individuell abgestimmtes Beckenbodentraining wenden Sie sich an einen Beckenbodentherapeuten.

Eine gesunde Ernährung und/oder verschreibungspflichtige Medikamente für eine bessere Blasengesundheit

Es gibt auch Möglichkeiten zur Änderung des Lebensstils und medikamentöse Behandlungsoptionen, die Ihnen helfen können, sich sicherer zu fühlen. 

Ändern Sie Ihre Ernährung und Flüssigkeitsaufnahme!

Sie könnten versucht sein, weniger zu trinken, wenn sich Ihre Blasensymptome verschlimmert haben, aber tatsächlich kann sich unzureichendes Trinken negativ auf Ihre Blasenprobleme auswirken. 2 Versuchen Sie stattdessen, Ihre Flüssigkeitsaufnahme sowie Ihre Toilettengänge zeitlich so zu planen, dass Sie eine bessere Kontrolle erlangen.   

Ernährung, Ernährung, Ernährung. Eine gesunde Ernährung und eine ausgewogene Ernährung sind gut für Ihre Blasen- und Darmgesundheit und können Ihr allgemeines Wohlbefinden verbessern. 2 

Verschreibungspflichtige Antimuskarinika

Vielen Menschen mit MS und einer überaktiven Blase werden Antimuskarinika verschrieben. Diese auch als Anticholinergika bezeichneten Medikamente blockieren die Signale, die den Blasenmuskel zur Kontraktion anregen. Dadurch wird der häufige Harndrang reduziert, die Blasenkapazität kann erhöht werden und die Lebensqualität verbessert sich möglicherweise.

Lösungen für Fälle, in denen sich Ihre Blase nicht entleeren lässt

Wenn Sie Schwierigkeiten beim Wasserlassen haben oder feststellen, dass sich auch nach dem Toilettengang noch Urin in Ihrer Blase befindet, wird häufig die intermittierende Katheterisierung als geeignete Behandlung für Ihre Blasenprobleme angesehen. 3

Intermittierende Katheterisierung

Die intermittierende Katheterisierung wird in der Regel ohne Unterstützung durch medizinisches Fachpersonal selbst durchgeführt. Ein intermittierender Katheter ist ein hohler Schlauch, der in die Blase eingeführt werden kann, um Urin abzuleiten. Intermittierende Katheter werden „nach Bedarf” verwendet und zum Entleeren der Blase in die Harnröhre eingeführt. Nach der Entleerung der Blase wird der Katheter wieder entfernt.

Wenn Sie unter Harnverhalt leiden, können Sie durch intermittierende Katheterisierung selbst entscheiden, wann Sie Ihre Blase entleeren möchten, und haben so mehr Kontrolle. 

Die Verwendung von intermittierenden Kathetern entspricht so weit wie möglich der normalen Blasenfunktion: Die Blase speichert weiterhin Urin, es wird nichts dauerhaft eingeführt und der Katheter dient lediglich dazu, den natürlichen Entleerungsprozess zu ermöglichen.   

„Die Katheterisierung hat mir meine Freiheit zurückgegeben. Ich konnte hingehen, wohin ich wollte, und war nicht mehr von meiner Blase abhängig.“ 

Marianne | Leben mit MS 

 
Die intermittierende Katheterisierung wird manchmal mit anderen Katheterarten verwechseltwie z. B. Dauerkathetern, die längerfristig in der Blase verbleiben. Um mehr über die verschiedenen Katheterisierungsarten zu erfahren, klicken Sie auf den folgenden Link

Porträtfoto von Marianne in einem Tanzstudio. Zunächst versuchten Mariannes Ärzte, ihre Blase mit Medikamenten zu behandeln, aber die Situation verbesserte sich nicht. Dann wurden ihr Intermittierende Katheter verschrieben.
Marianne | Leben mit MS

Lösungen für eine überaktive Blase

Wenn Sie mit einer überaktiven Blase leben, kann neben medikamentöser Therapie mit Anticholinergika Botox oder eine Sakralnervenstimulation empfohlen werden.  

Botox-Injektionen¹˒³

Zur Behandlung einer überaktiven Blase kann Botulinumtoxin (Botox) verwendet werden, das in die Blase injiziert wird. Dadurch wird die Blase entspannt und unwillkürliche Kontraktionen des Blasenmuskels vermieden. Eine Nebenwirkung dieser Behandlung ist jedoch, dass die Blase bei manchen Patienten weniger gut entleert werden kann. Wenn die Blase nach dem Toilettengang noch Urin zurückhält, kann es erforderlich sein, dass der Patient einen intermittierenden Katheter verwendet, um die Blase zu entleeren. Die Behandlung mit Botulinumtoxin ist nicht dauerhaft und muss alle 6 bis 12 Monate wiederholt werden.    

Nervenstimulation¹

Manchmal wird die Stimulation des Nervus tibialis oder des Nervus sacralis eingesetzt, um eine überaktive Blase zu behandeln. Erstere kann entweder mit einer Nadel zur Abgabe elektrischer Stimulation oder mit einem Elektrodenpflaster durchgeführt werden. Bei letzterer wird ein kleines elektronisches Gerät verwendet, das in der Regel direkt unter die Haut im oberen Gesäßbereich implantiert wird. Eine dünne Leitung wird ebenfalls in den unteren Rücken implantiert und mit dem batteriebetriebenen Gerät verbunden.  

Die Nervenstimulation kann dazu beitragen, fehlerhafte elektrische Signale zwischen Blase und Gehirn zu korrigieren und somit das Verhalten Ihrer Blase zu verändern. Wie erfolgreich diese Behandlung bei Menschen mit MS ist, bleibt umstritten.